Fibromyalgie: Mythen und Fakten
Fibromyalgie ist eine sensorische Störung, die durch eine Fehlkommunikation zwischen den Nerven und dem Gehirn verursacht wird. Sie ist eine der am meisten missverstandenen Erkrankungen in der heutigen Medizin. Manche Menschen glauben, dass sie nicht real ist oder dass die Symptome Anzeichen für Depressionen, Stress oder eine Reihe anderer Erkrankungen sind.
Die Symptome sind vielfältig – Gelenkschmerzen, Nackensteifheit, Erschöpfung, Benommenheit, Schlaflosigkeit usw. –, was die Diagnose erschwert. Bei Fibromyalgie kann der/die Patient/in all diese und weitere Symptome verspüren, ohne zu wissen, warum. Erschwerend kommt hinzu, dass der/die Patient/in möglicherweise alle nur denkbaren medizinischen Tests durchlaufen hat, die Ärzt*innen jedoch keine Ursache für die Symptome finden können.
Um mehr darüber zu erfahren, lass uns zunächst darüber sprechen, was Fibromyalgie nicht ist.
Fibromyalgie ist nicht tödlich – im Gegensatz zu Krankheiten, die zum Tod führen können, beeinträchtigt Fibromyalgie weder deine wichtigen Organe noch verursacht sie Tumore, die wachsen und sich im Körper ausbreiten. Sie schädigt weder deine Gelenke, Muskeln noch inneren Organe. Sie erhöht auch nicht die Wahrscheinlichkeit, dass du früher stirbst.
Es handelt sich auch nicht um eine fortschreitende Erkrankung – sie schädigt den Körper nicht im Laufe der Zeit. Die Symptome können sich jedoch zeitweise verschlimmern. Fibromyalgie ist keine chronische Infektion und macht dich nicht zu einem Hypochonder.
Mythen vs. Fakten
Mythos 1: Fibromyalgie gibt es nicht wirklich
Dies ist das größte Missverständnis über Fibromyalgie. Manchmal denken Menschen, dass Fibromyalgie kein echtes medizinisches Problem ist oder dass es sich nur um Einbildung handelt. Da die Symptome so vage sein können, könnten sie auf eine Vielzahl von Erkrankungen zutreffen. Außerdem hat doch jeder schon einmal Schmerzen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen verspürt – oder sogar alles gleichzeitig.
Wahrheit: Viele, wenn nicht sogar die meisten medizinischen Erkrankungen werden erst dann als real angesehen, wenn mehr über sie bekannt ist. Zu einem bestimmten Zeitpunkt galt sogar Asthma als erfundene Erkrankung. Rheumatoide Arthritis wurde für eine Infektion gehalten. In beiden Fällen führte mehr Wissen über ihre Entstehung zu einem besseren Verständnis sowie zu besseren Diagnose- und Behandlungsmethoden. Fibromyalgie befand sich und befindet sich immer noch in derselben Situation.
Fazit: Fibromyalgie wird durch ein reales Problem im Körper verursacht. Es wird angenommen, dass sie durch eine Störung in der Verarbeitung von Schmerzsignalen durch das Gehirn und die Nerven im Rückenmark verursacht wird. Infolgedessen reagieren Menschen mit Fibromyalgie stärker auf Schmerzen und viele andere Empfindungen.
Mythos 2. Fibromyalgie ist eine psychische Erkrankung
Fibromyalgie kann schwer zu diagnostizieren sein. Wenn ein Test nach dem anderen keine eindeutige Antwort liefert, fragen sich manche Ärzt*innen möglicherweise, ob die Symptome des/der Patient/in tatsächlich mit einer psychischen Erkrankung zusammenhängen und nicht mit einer körperlichen Erkrankung.
Wahrheit: Auch wenn die Symptome der Fibromyalgie mit psychischen Faktoren wie Stress oder Depressionen zusammenhängen können, ist Fibromyalgie keine „Einbildung des/r Patient/in”. Es handelt sich um eine medizinische Erkrankung, die nicht durch eine psychische Störung verursacht wird – auch wenn Stress eine Rolle bei den Symptomen spielen kann. Es ist auch wichtig zu beachten, dass jede Art von Erkrankung dazu führen kann, dass sich eine Person depressiv oder ängstlich fühlt.
Fazit: Fibromyalgie ist eine echte körperliche Erkrankung.
Mythos 3. Fibromyalgie ist eine Autoimmunerkrankung
Die Aufgabe des Autoimmunsystems besteht darin, Viren und Bakterien abzuwehren, bevor sie uns krank machen. Bei einer Autoimmunerkrankung greift unser Immunsystem fälschlicherweise gesunde Zellen an. Es gibt mehr als 80 Erkrankungen, die als Autoimmunerkrankungen bezeichnet werden. Einige häufige Erkrankungen sind rheumatoide Arthritis, Hashimoto-Thyreoiditis, Zöliakie oder Lupus.
Wahrheit: Fibromyalgie, Autoimmunerkrankungen und viele andere Erkrankungen weisen oft ähnliche Symptome auf. Bluttests, die zur Diagnose von Autoimmunerkrankungen verwendet werden, kommen bei Fibromyalgie nicht zum Einsatz. Eine körperliche Untersuchung reicht oft aus, damit ein/e Arzt/Ärztin zwischen den beiden Erkrankungen unterscheiden kann. Medikamente zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung können die Symptome der Fibromyalgie nicht lindern. Außerdem verursacht eine Autoimmunerkrankung oft bleibende Schäden am Körper, einschließlich der Haut und der Gelenke, was bei Fibromyalgie nicht der Fall ist.
Fazit: Obwohl Fibromyalgie zusammen mit einer Autoimmunerkrankung auftreten kann, ist sie selbst keine Autoimmunerkrankung. Forscher untersuchen derzeit den Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen.
Mythos 4. Fibromyalgie ist eine Bindegewebserkrankung
Knorpel, Knochen und Fettgewebe sind Arten von Bindegewebe. Sie bilden ein stabiles Proteinnetzwerk, das den Körper stützt und ihm Struktur verleiht. Ohne sie wäre der Körper schlaff und formlos. Bindegewebserkrankungen können das Aussehen und das Wachstum des Körpers verändern. Sie betreffen die Haut, Knochen, Organe, Blutgefäße, Augen, Ohren usw. Sie können auch die Funktionsweise des Gewebes verändern, was bei Fibromyalgie nicht der Fall ist.
Wahrheit: Bis heute konnte niemand Schwellungen und Reizungen im Gewebe von Menschen nachweisen, die an Fibromyalgie leiden. Die beiden Erkrankungen können verwirrend sein, da sich ihre Symptome überschneiden. Wenn eine Person an einer Bindegewebserkrankung leidet, werden bei einer Blutuntersuchung wahrscheinlich Proteine oder Marker nachgewiesen, die auf eine Entzündung im Körper hinweisen. Bei einer Person mit Fibromyalgie sind die gleichen Blutuntersuchungen normal.
Fazit: Auch wenn manche Menschen heute noch glauben, Fibromyalgie sei eine Bindegewebserkrankung, ist dies tatsächlich nicht der Fall. Einfach ausgedrückt handelt es sich bei Fibromyalgie um eine Schmerzerkrankung.
Mythos 5: Menschen mit Fibromyalgie suchen nur nach Aufmerksamkeit
Viele Menschen verstehen Fibromyalgie nicht. Wenn man selbst nicht daran leidet oder keinen Angehörigen hat, der daran leidet, kann es schwer sein zu verstehen, was es bedeutet, Tag für Tag mit Fibromyalgie zu leben. Aus verschiedenen Gründen reagieren Menschen manchmal auf Fibromyalgie, als wäre sie ein Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen.
Wahrheit: Untersuchungen zeigen, dass sich nur jeder vierte Absolvent*in der Allgemeinmedizin in der Lage fühlt, Patient*innen bei der Behandlung chronischer Schmerzen zu helfen. Angesichts dessen erfahren Patient*innen möglicherweise nicht von ihren Ärzt*innen, welche Behandlungen ihnen helfen könnten, sich besser zu fühlen.
Fazit: Wenn du an Fibromyalgie leidest, sei geduldig mit dir selbst. Es kann hart sein, wenn du das Gefühl hast, von skeptischen Menschen umgeben zu sein. Sei auch geduldig mit anderen. Das kann schwierig sein, wenn du dich verletzt und missverstanden fühlst. Denk daran, dass Ärzt*innen und Angehörige dir helfen wollen, aber vielleicht nicht immer wissen, wie.
Mythos 6: Menschen mit Fibromyalgie sind Hypochonder
Über Jahre hinweg wurde angenommen, dass Fibromyalgie von gestressten, überlasteten Menschen erfunden wurde und das Ergebnis von Hypochondrie ist. Dies liegt vor allem daran, dass Patient*innen oft zum/r Arzt/Ärtzin gehen, nur um zu erfahren, dass mit ihnen alles in Ordnung ist.
Wahrheit: Trotz ihrer scheinbaren Ähnlichkeiten sind Fibromyalgie und Hypochondrie zwei unterschiedliche Erkrankungen. Hypochondrie entsteht im Kopf und ihre Symptome sind meist psychisch bedingt. Fibromyalgie hingegen entsteht durch eine Störung in der Verarbeitung von Schmerzsignalen und anderen körperlichen Empfindungen im Gehirn.
Fazit: Bei beiden Erkrankungen sind die Testergebnisse immer normal, weshalb die beiden Erkrankungen oft verwechselt werden.
Mythos 7: Menschen mit Fibromyalgie sind einfach nur faul
Menschen mit Fibromyalgie sehen genauso aus wie immer. Von außen betrachtet sehen sie gesund aus, sodass andere denken, sie seien einfach nur faul, wenn sie Verabredungen absagen oder nicht zur Arbeit gehen.
Wahrheit: Bei Fibromyalgie ist das, was man nicht sieht, entscheidend. Man sieht nicht, wie schwer es einem fällt, aus dem Bett zu kommen und die steifen Glieder zu strecken, oder welche Schmerzen man hat, wenn man sich hinsetzen will. Ohne Behandlung kann Fibromyalgie die Arbeit und die Teilnahme an alltäglichen Aktivitäten erschweren.
Fazit: Viele Menschen mit Fibromyalgie suchen unermüdlich nach Antworten, um herauszufinden, was mit ihnen los ist und wie sie sich besser fühlen können. Sie sind sehr motiviert und mehr als bereit, die nötige Arbeit zu investieren, um ihren täglichen Kampf mit ihrem Körper zu gewinnen.
Mythos 8: Menschen mit Fibromyalgie sind einfach nur gestresst
Es ist normal, hin und wieder gestresst zu sein. Stress ist eine normale Reaktion auf das, was im Leben passiert, egal ob gut oder schlecht. Je nachdem, wer du bist und was in deinem Leben gerade passiert, kannst du, wenn du mit Stress konfrontiert bist, durch unruhige Gewässer segeln, dich ohne Paddel im Kreis drehen oder beides tun. Ob leicht oder schwer, Stress kann deine Gesundheit beeinträchtigen, ohne dass du es merkst. Er kann deinen Körper, deine Gedanken und dein Verhalten beeinflussen.
Wahrheit: Obwohl Stress und Fibromyalgie viele gemeinsame Symptome haben, können sie sich in ihrer Dauer und Schwere unterscheiden. Stress kann beispielsweise zu Muskelverspannungen führen. Muskelschmerzen aufgrund von Fibromyalgie werden jedoch oft als ständiger, dumpfer Schmerz beschrieben, der mindestens drei Monate lang anhält. Er ist außerdem weit verbreitet und betrifft beide Seiten des Körpers, oberhalb und unterhalb der Taille.
Fazit: Forscher untersuchen derzeit, was diese beiden Faktoren miteinander verbindet, da Stress eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Fibromyalgie spielt. Es ist jedoch ratsam, Stress zu bekämpfen, da Stress Fibromyalgie auslöst.
Fibromyalgie muss nicht bestimmen, wer du bist. Mit Hilfsmitteln und Techniken kannst du wieder zu einem Leben zurückkehren, das dir Freude bereitet. Gemeinsam können wir ein fächerübergreifendes Schmerzmanagementprogramm erstellen. Ich kann dir alltägliche Fähigkeiten beibringen, mit denen du deine Symptome bewältigen kannst, sodass du trotz Fibromyalgie ein erfülltes, angenehmes Leben führen kannst. Buche hier einen Platz für eine Yogatherapie.
Publikationen:
Abril, A. / Bruce, B.K. (2019): Mayo Clinic: Guide to Fibromyalgia. Rochester, MN: Mayo Clinic Press.
Fibromyalgia (2021): National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Disease. Bethesda, Maryland. https://www.niams.nih.gov/health-topics/fibromyalgia (vom: 12.12.2022)
Fibromyalgia (2021): American College of Rheumatology. https://www.rheumatology.org/I-Am-A/Patient-Caregiver/Diseases-Conditions/Fibromyalgia (vom: 14.12.2022)
